Schottland – 18.06. bis 25.06.2006, Teil 3

Skye – bloß nicht wandern

Skye kann per Fähre oder über die neue, lang umstrittene Brücke erreicht werden. Wir wählten für den Hinweg die Brücke. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir das meistfotografierte Castle Schottlands – Eilean Donan, eine historisierte Mittelalterburg aus dem 19. Jahrhundert, auf einer kleinen Insel in einem Loch (See) gelegen. Auch schön, aber: kein Vergleich…na, Ihr wisst schon

Auf Skye gab’s dann die Wahl zwischen Zeit zur freien Verfügung oder Küstenwanderung. Welche von Euch schon frühere Reiseberichte von uns gelesen haben, wissen jetzt, was wir ganz sicher NICHT gewählt haben. So schauten wir uns in der Kleinstadt Portree um und gerieten zufällig in das wunderschöne Café Arriba, ein sehr bunter alternativer Laden mit – für schottische Verhältnisse – sehr „gesundem“ Essen. Wieder gab es viele Textilläden mit Kilts usw. Auf dem Weg zur Fähre aufs Festland besichtigten wir noch „Armadale Gardens“ – eine große Gartenanlage mit einer „gestalteten“ Schlossruine aus dem 19. Jahrhundert. Da hat jemand, weil es so schön zum romantischen Zeitgeist passte, gleich eine Ruine bauen lassen. Schon irgendwie schräg…Versucht heutzutage mal eine Architektin mit dem Bau einer mittelalterlichen Schlossruine zu beauftragen. Die würde Euch doch sofort in Therapie schicken. Zurück ging’s dann mit der Fähre nach Mallaig im Nieselregen.

Glasgow – auch schön

Am vorletzten Tag ging’s nach Glasgow. Mal sehen, wie’s da so ist. Wir fuhren entlang des West-Highlandway, der Lieblingsstrecke aller WanderInnen. An den Hügeln konnten wir immer wieder bunte Punkte entdecken – Menschen mit ihren bunten Anoraks und Rucksäcken. Unterwegs hielten wir in Inveraray, einem sehr hübschen Städtchen am Loch Awe. Dort gab’s ein Schloss, einen Glockenturm, ein historisches Gefängnis und einen Hafen mit Dreimaster zu sehen. Eine besondere Attraktion war allerdings die traditionelle schottische Hochzeit, die gerade im Gange war. Viele Hochzeitsgäste mit vielen Kindern und die Männer und Jungs alle im Kilt, auch der Bräutigam. Der Hochzeitszug ging – angeführt von einer Dudelsackkapelle – von der Kirche durch den ganzen Ort bis zum Park am Hafen. Dort gab’s eine Fotosession und Sektempfang. Die Touristen hatten tüchtig was zu gucken und zu fotografieren. Das Ganze erschien uns eine Hochzeit wohlhabender Menschen aus urschottischen Clans zu sein. Rein optisch und akustisch wirklich sehens- und hörenswert. Auf der Weiterfahrt haben wir dann am Loch Lomond pausiert und das berühmte Kriegerlied gelernt (sehr prosaisch und ergreifend). Hier der Refrain:

„You’ll take the high way and I’ll take the low way
and I’ll be in Scotland before you.
My true love and I, we will never meet again
at the bonny, bonny banks of Loch Lomond“.

Übersetzung:

„Du nimmst den oberen Weg (Diesseits) und ich nehme den unteren Weg (Jenseits),
und ich werde vor Dir in Schottland sein.
Meine wahre Liebe und ich, wir werden uns nie wieder
an den schönen, schönen Ufern des Loch Lomond treffen“.

Glasgow war in der Tat eine ganz andere Stadt als Edinburgh, moderner und weltstädtischer. Während der Stadtrundfahrt haben wir die Kathedrale besichtigt, das älteste Haus und die Geschichte des Stadtwappens erfahren. Auf einem großen Platz war gerade CSD. Wieder übernachteten wir in einem Hotel der Swollow-Kette, einem richtigen Schrottladen – vorne hui und hinten pfui.

Edinburgh zum Zweiten

Wir freuten uns, nochmal nach Edinburgh zu kommen. Wir waren ganz früh da, weil einige aus der Reisegruppe bereits am Vormittag heimflogen – wir aber erst am frühen Abend. So fuhren wir in die Stadt und gingen schnurstracks zur bereits erwähnten Ausstellung „Rainbow City“ – Die Geschichte von Lesben und Schwulen in Edinburgh vom 16. Jahrhundert bis heute. Es gab viele Exponate: Flugblätter, Plakate, T-Shirts, Buttons, Redeskripte, Fotos, Presseartikel, Comics, Bücher, Broschüren und vieles mehr. Und natürlich auch viele Informationen über lesbisches und schwules Leben in früheren Jahrhunderten: Ergebnisse aus Magister- und Doktorarbeiten, Zeichnungen, Gedichte, Legenden, Theaterstücke etc. Eine ganz großartige Sammlung – wunderbar kuratiert, an einen renommierten Ort ausgestellt mit umfangreichem Begleitprogramm. Einfach beneidenswert…. In einem von der Ausstellung überaus beschwingtem Zustand flogen wir dann nach Hause.

Noch ein bisschen mehr erzählen…

Edinburgh
Ich finde, sie gehört zu den Städten, die frau einmal im Leben gesehen haben sollte. Wie in keiner anderen Stadt hatte ich hier das Gefühl, ich atme mit jedem Zug uralte Geschichte ein. Das liegt wohl hauptsächlich an der durchaus morbiden Atmosphäre. Die alte Altstadt ist komplett erhalten, graue düstere Häuser, viele krumm und schief (aber durchaus saniert), enge kopfsteingepflasterte, oft steile Gassen. Im Kontrast dazu laufen Scharen von bunt- bis verrückt gekleideten jungen Leuten aus aller Welt durch diese Gassen. Es ist laut und lebhaft. Und die Geschichte der Stadt ist überaus faszinierend. Edinburgh war im Mittelalter von einer großen, hohen Mauer umgeben und ständig von Clan-Horden aus den Highlands oder wem auch immer bedroht. Die Stadt konnte sich also nicht ausbreiten. Das führte dazu, dass übereinander gebaut wurde. Die Stadt besteht also aus mehreren Häuserschichten. Häuser wurden auf bestehende Häuser gebaut und darauf wieder eine dritte und vierte Schicht Häuser. Die unteren Häuser lagen irgendwann unter der Erde. Dort wohnten die Ärmsten. Und ganz oben in der höchsten Schicht lebten die Reichsten. Es gibt umfangreiche Ausgrabungen, die die Strukturen der Stadt offenbaren. Dabei hat man unvorstellbare Gruseligkeiten entdeckt. Eine möchte ich hier erzählen. Bitte lest nur weiter, wenn ihr gerade gut drauf seid. Was jetzt kommt ist nichts für schwache Nerven:

Es war damals sehr wichtig, dass die Schornsteine immer gut geputzt waren. Die Schornsteinfeger kauften sich von den Waisenhäusern kleine Jungen. Die wurden dann mit Stoff umwickelt und an einem Seil die Schornsteine heruntergelassen – sozusagen als lebende Fegebesen. Durch die aufeinander gebauten Häuser waren die Schornsteine der verschiedenen Schichten nicht bündig aufeinandergesetzt. Das führte dazu, dass die Jungen oft in den Schornsteinen steckenblieben, weil ein Knick drin war. Der Schornsteinfeger schickte daraufhin einen weiteren umwickelten Jungen den Schornstein runter, Der musste dann den ersten Jungen sozusagen von oben mit den Füßen auf den Kopf durch den Knick treten. Das überlebte der erste Junge meist nicht. Viele fielen auch durch die Kaminöffnung des unteren Hauses ins Feuer, weil der Schornsteinfeger ganz oben zu viel Seil gab. Da es sehr viele Waisenjungen gab, hatte der Schornsteinfeger immer Nachschub. Der Verlust der Jungen war also kein Problem. Sie wurden ja ohnehin von niemandem vermisst. Wohlgemerkt, Ladies…ich erzähle hier keine Schauermärchen. Diese und noch viel mehr Grausamkeiten sind durch historische Forschungen belegt.

Sprachen
Die meisten Ausschilderungen in den Highlands sind englisch und gälisch. Allerdings sprechen nur noch wenige gälisch. Auf der Insel Skye gibt es allerdings ein gälisches College.

Tartan
So nennt man die Karos der schottischen Traditionskleidung. Jeder Clan hatte ein bestimmtes Karomuster (Tartan). Die Queen hat sich zu ihrem 50. Krönungsjubiläum auf der Insel Skye ein neues Tartan entwerfen lasse (lila mit grün). Für Touris gibt es natürlich auch Phantasie-Tartans in allen Farben.

Essen
Kann nur vermelden: Alle Vorurteile bestätigt. Schottisches Essen unterscheidet sich nicht von sonstigem britischen Essen – kaum Gewürze, meist zermatscht, fettig. Aber wir sind ja – ein Glück – trotzdem nicht vom Fleisch gefallen.

SchottInnen
Nett, oft lustig und durchaus aufgeschlossen, für Ungeübte eher schwer zu verstehen. Leider keine Lesben persönlich kennengelernt.

Sonstiges
Das Lieblingslunch schottischer Schulkinder ist „Flat Cemetery“ (Flacher Friedhof) und besteht aus zerquetschten Rosinen auf Brot.

Links (Teils Deutsch, teils Englisch):
Isle of Skye
Armadale Castle
Glasgow
Rainbow City (Remember When Projekt)
Eilean Donan Castle
Tartan
Inveraray
Urquhart Castle
Der Reiseveranstalter