Schottland – 18.06. bis 25.06.2006, Teil 1

Edinburgh – zum Ersten

Bei heißen 30 Grad flohen wir vor dem WM-Trubel nach Edinburgh. Der Flug dauerte nur 1 Stunde 40 Minuten – super. Ich fliege ja gerne, aber nicht gern Langstrecke. In Edinburgh waren es überaus erfrischende 20 Grad, und es regnete ein bisschen.

Unser Hotel Agenda lag im Westen der Stadt im Vorort Corstorphine, nahe dem Zoo. Zum Abendessen lernten wir unsere Mitreisenden kennen: 43 Personen, davon 13 Männer (trotz WM – oh, Wunder). Reiseleiter war Mr. McGregor (Lehrer, ca. 60 Jahre alt). Nach dem Abendessen machten wir zusammen einen kleinen Spaziergang durch den Stadtteil.

Am nächsten Morgen fuhren wir in den Botanischen Garten und dann weiter zum „Carlton Hill“, einem Hügel mit 360-Grad-Rundblick auf Edinburgh. Dort beglückte uns der Reiseleiter sehr ausführlich mit einem geschichtlichen Vortrag, u.a. über Admiral Nelson und Mary Queen of Scots. Dann ging’s zum beeindruckenden Edinburgh Castle. Auf dem Vorplatz sah man schon die Aufbauten für das „Military Tattoo Festival“, das in ein paar Tagen stattfinden sollte. Eine tolle Burganlage, ähnelt ein wenig der Prager Burg. Das Innenleben des Castles durften wir alleine erkunden und hatten danach Zeit zur freien Verfügung.
Wir gingen in die Altstadt zum Grassmarket. In einem Pub aßen wir Fish und Chips und Tuna-Sandwich – lecker. So waren wir gestärkt für das wirklich tolle „Museum of Scotland“ – ein architektonisch sehr moderner interessanter Bau. Ein riesiger Webstuhl und eine niedliche alte Lok sind mir in besonderer Erinnerung geblieben. Auf der Terrasse des Museums im 7. Stock hatten wir nochmal einen schönen Blick auf Edinburgh.

Die „Royal Mile“ ist die Hauptstraße der Altstadt – viel Gastronomie, Souvenirläden und Textilschneidereien, in denen man eine riesige Auswahl von schottischen Traditionsgewändern finden konnte. Es gab auch karierte Hosen für Damen und sogar Abendgarderobe. Als wir in einem Café Postkarten schrieben, kam eine heftige Windbö und fegte die Karten vom Tisch, geradewegs auf eine Baustelle zu. Ich konnte sie gerade noch retten. Diese Postkarten waren jetzt geadelt. Sie hatten alle schottischen Boden geküsst. Die Bauarbeiter hatten doch tatsächlich einen aktuellen WM-Fußball aufgeschnitten und über einen Wasserhahn gestülpt. Das gute Stück muss über EUR 100 gekostet haben. Was will uns das sagen ?? Dann kam der Oberkracher… Es war mitten im Sommer; die Stadt war voller Touristen. Und die Geschäfte schlossen um 18 Uhr – ja, ihr habt richtig gelesen, um 18 Uhr. Wir dachten, wir sehen nicht richtig – unfassbar.

Na, dann auf zur Princess Street, der schicken Einkaufsstraße im weniger alten Teil der Stadt. Aber auch hier hatten die Geschäfte schon geschlossen. Von der Summe, die den Edinburgher Gewerbetreibenden allein an diesem einen Tag durch so kurze Öffnungszeiten entgangen ist, hätte man locker ein Haus bauen können. Nach einem Päuschen in den wunderschönen Parkanlagen, die die ganz alte Altstadt (Mittelalter) von der nicht ganz so alten Altstadt (ab 18. Jh.) trennen, gingen wir zum Hauptbahnhof, genannt Waverly Station. Unterwegs entdeckten wir das „City Centre of Arts“. Dort war gerade die Ausstellung „Rainbow City“ – über Lesben und Schwule in Edinburgh – super…Und…. Ihr werdet’s erraten: ja, auch hier war schon geschlossen. Aber macht nichts, wir würden ja in ein paar Tagen wieder kommen.

Die Nordseeküste – viele Golfbälle und kein Haggis

Am 3. Reisetag ging’s in die Stadt Dundee. Unterwegs besichtigten wir wieder ein tolles Schloss (ja, ein bewohntes Schloss, keine Burg) – „Scone Palace“. Unser Reisebus wurde von mehreren Pfauen empfangen, u.a. zwei weiße, sehr ungewöhnlich. Die Pfauen liefen völlig zahm überall umher oder saßen auf dem Dach und wunderten sich über diese zweibeinigen Wesen mit den komischen kleinen Apparaten in ihren Greiforganen. Das Schloss gehört dem Earl of Mansfield, dessen Familie sich hervorragend auf die Vermarktung des Anwesens versteht – zum Glück, denn sowohl das Schloss als auch die Ländereien sind sehr groß und verschlingen sicher Unsummen. Aber die Earls hatten es ganz clever angestellt. Es gab z.B. einen schönen Laden mit Kunsthandwerk, Souvenirs selbsthergestellten Lebensmitteln und Bücher – aber alles mit Stil, kein Ramsch. Nur ein kleiner Teil des Schlosses konnte besichtigt werden – hauptsächlich die Porzellansammlung, ansonsten wohnten Earls ja noch drin. Und wer will schon einen Touri-Trampelpfad im eigenen Wohnzimmer.

Nächstes Ziel war die weltberühmte Küstenstadt St. Andrews.
Kennt Ihr nicht ? Banausinnen…. Es ist die Hauptstadt des Golfsports und hat eine superberühmte, älteste schottische Universität (1414) an der sogar Kronprinz William studiert hat. Das Städtchen besteht aus drei breiten gepflasterten Pfaden, die man mit etwas gutem Willen Straßen nennen könnte, einigen kleinen Wegen, einer recht kleinen Uni, der recht großen Ruine einer Kathedrale und sage und schreibe SIEBEN Golfplätzen. Der schönste lag direkt am Strand, andere direkt an der Steilküste. Der Ballverschleiß muss enorm sein, aber macht nix…. Es trifft ja keine Armen, gell… Wir kauften dann noch Bücher und ein T-Shirt und gingen zurück zum Bus.
Unterwegs gerieten wir in eine Graduiertenfeier: Abschlüsslinge beider Geschlechter in schottischer Traditionskleidung oder auch nicht. Mit der schottischen Traditionskleidung verhielt es sich wie folgt: Ur-Schottinnen und Ur-Schotten trugen die Hosen (Frauen) und die Kilts (Männer) mit dem jeweiligen Karomuster ihrer Familien (dazu später mehr). Die armen anderen Nicht-Schottinnen und Nicht-Schotten mussten reichlich farblos in schlichtem Schwarz und Weiß ihren Abschluss feiern. Na ja, Hauptsache, sie haben’s gepackt… Ach ja, und im Schaufenster des Dorfmetzgers haben wir unseren ersten „Haggis“ gesehen, das schottische Nationalgericht. Obwohl ansonsten meist kulinarisch sehr aufgeschlossen, haben wir Haggis nicht probiert. Warum werde ich hier nicht erläutern. Forscht doch mal im Internet nach, woraus es besteht – aber Ladies: unbedingt mit leerem Magen, wenn ich bitten darf.

Eigentlich hätten wir an diesem Tag noch ein historisches Schiff in einem kleinen Fischerort besichtigen sollen, aber es stürmte wie verrückt. So fuhren wir dann nach Dundee ins Swallow-Hotel – na ja, ganz ok.

An dieser Stelle ein paar Worte zum Thema Hotels in Schottland: Sie sind teuer und entsprechen nicht wirklich den Erwartungen deutscher BildungsbürgerInnen der sogenannten Mittelschicht. Nun ja, wie würde mein Schatzi sagen ? „Iss halt so.“

Links (manche Deutsch, manche Englisch):
Edinburgh
Dundee
Scone Palace
St. Andrews
Haggis