Sonntag, 13. September 2009

Heute geht’s wieder nach Hause. Allerdings fährt unser Zug erst um 19.37 Uhr, wir haben also noch viiiieeel Zeit…. Die Koffer konnten wir noch im Artemisia lassen. Das war ganz gut, denn aufgrund der S-Bahn-Störungen ist es ja nicht so einfach, den Hauptbahnhof zu erreichen. Und außerdem wollten wir nach Dahlem-Dorf fahren, wo ja Schatzi gestern schon war und das liegt in genau entgegengesetzter Richtung.
Dort angekommen, sind wir auf den Brandenburgischen Bauernmarkt auf der Domäne Dahlem gegangen und haben uns im Museum zunächst die Ausstellung „Kanonen statt Butter“ angeschaut. Die hatte Schatzi auch noch nicht gesehen. Es ging um die Propaganda zum Thema Ernährung der Bevölkerung im Dritten Reich. Selbst der Bereich „Essen“ war bei den Nazis bis ins Detail durchgeplant. Alles darauf angelegt, die Bevölkerung für sich zu vereinnahmen und langsam, aber sicher auf den Krieg vorzubereiten. In der Ausstellung lag ein Notkochbuch mit Rezepten, für die nicht viele Zutaten oder ungewöhnliche Zutaten gebraucht wurden. Es wurde sogar Mehl aus Eicheln zum Kochen und Backen verwendet. Sie hatten auch einen Fernseher aufgebaut, der Propagandafilme aus der Zeit zeigte.
Wir sind danach noch ein bisschen auf dem Markt rumgelaufen, was uns allerdings durch einen heftigen Regenschauer ein wenig verleidet wurde. Wir fanden Unterschlupf in einer offenen Scheune und haben etwas getrunken und Butterkuchen gegessen. Es war ein wunderbarer Butterkuchen, wie ich ihn von Norddeutschland her kenne. Der hessische Butterkuchen schmeckt mir nicht so gut. Ich hätte gerne noch ein paar Stücke mitgenommen, aber da wir noch länger in der Stadt unterwegs sein würden, habe ich mich doch dagegen entschieden.
Stattdessen haben wir in der Eisdiele „Eis-Zeit“ an der Königin-Luise-Straße noch ein Eis gegessen. Das war aber nicht so gut, wie das bei „Tanne B“ oder „Vanille und Marille“.
Der junge Mann von der Eisdiele, der mich übrigens stark an einen meiner Brüder erinnerte, erzählte uns noch, dass Dahlem-Dorf ein sehr beliebter Stadtteil zum Wohnen ist. Inseriert in Zeitungen werden die Wohnungen nicht, nur über Makler besteht überhaupt eine Chance. Der Quadratmeterpreis ist dann wohl auch dementsprechend.
Schatzi hat in einem Bekleidungsgeschäft auf der anderen Straßenseite noch einen Nikki-Pullover zum halben Preis gekauft. Keine Ahnung, warum der Laden auf hatte, aber kann uns ja egal sein, gell?
Anschließend haben wir noch eine kleine Busfahrt unternommen, die schon ein kleines Abenteuer war. Nach ein paar Haltestellen wechselte der Fahrer und der neue schien keine Ahnung zu haben, was er da tat. Er hielt nicht an Haltestellen an, obwohl Fahrgäste den „Haltewunsch-Knopf“ gedrückt hatten und einmal vergaß er sogar, an einer Kreuzung abzubiegen und fuhr stattdessen geradeaus weiter. Erst als eine Frau, die an einer bestimmten Haltestelle aussteigen wollte, ihn darauf aufmerksam machte, wendete er den Bus und fuhr dann die richtige Straße entlang. Schatzi und ich wollten bis zur Endhaltestelle fahren, der Busfahrer behauptete jedoch schon einen Halt früher, dass er an der Endstation sei und schmiss uns raus. Na gut, wenn Du nicht willst, nehmen wir einen anderen Bus. Ist vielleicht auch besser so.
Derweil regnete es weiter fröhlich vor sich hin, zum Teil ziemlich heftig. Vielleicht wollte uns Berlin den Abschied damit ein wenig erleichtern. Dem hätte es jetzt aber nicht bedurft, ich bin schon ganz froh, dass wir wieder nach Hause fahren. Auf Dauer ist mir Berlin dann doch einfach zu groß und zu laut.
Wir sind noch ein bisschen mit den U-Bahnen hin und her gefahren. Schatzi hat dann vorgeschlagen, dass wir im „Park-Café“ noch was essen und uns dann später für die lange Zugfahrt nur noch Brötchen holen. Ziemlich gute Idee das. Vor allen Dingen müssen wir dann nicht noch groß herumirren, um ein Restaurant zu finden, wir wissen, dass das Essen dort lecker ist und es ist in der Nähe des Hotels.
Schatzi hatte marinierte Hähnchenbrust mit Pommes und Coleslaw und ich Rinderhüftsteak mit Pommes und schnödem Salat. War wieder sehr lecker das Essen.
Im Hotel „Artemisia“ hat Schatzi dann noch ein paar Komplimente und Änderungswünsche – z.B. frische Brötchen – ins Gästinnenbuch geschrieben, wir haben uns unsere Koffer geschnappt und sind mit der U-Bahn zum S-Bahnhof Charlottenburg gefahren. Vor lauter Starren auf den Bildschirm in der U-Bahn, auf dem Kurzfilme gezeigt wurden, sind wir prompt drei Stationen zu weit gefahren. Wir also raus und zurück nach Charlottenburg. Und da standen wir dann. Keine S-Bahn weit und breit. Der gesamte Bahnhof war gesperrt.
Wir hatten keine Lust, jetzt noch eine Tour durch ganz Berlin mit U- und Regionalbahnen zu machen und haben stattdessen ein Taxi angehalten, dass gerade vorbeikam. Das muss der einzige Taxifahrer in ganz Berlin, was sag‘ ich, in ganz Deutschland, gewesen sein, der beim Fahren Klassik hörte! Das hatten wir ja auch noch nicht erlebt.
Am Hauptbahnhof angekommen, habe ich dann zu guter Letzt noch ein schönes Berlin-T-Shirt gefunden. Darauf ist Mauerkunst abgebildet. Zum Gedenken an den 20. Jahrestag des Mauerfalls. Nicht das übliche also. Na, die schönsten T-Shirts sind ja sowieso immer die für Kinder. Sauerei!
Am Bahnhof haben wir dann noch einen Eiskaffee, bzw. eine Eisschokolade getrunken und dann noch die Geschäfte in Augenschein genommen. Jetzt sitzen wir endlich im sehr vollen Zug Richtung Frankfurt und ich beende hiermit die Berichterstattung von unserer Berlin-Reise.
Bis zum nächsten Mal,
Schatzi1.

Schatzi2:
Noch ein kleines Fazit von mir:
Berlin ist eine interessante und vielseitige Stadt – schön würde ich sie nicht nennen. Schön ist Prag. Schön ist Amsterdam. Berlin ist interessant und eine Reise wert. Im Reiseführer stand, dass Menschen aus anderen deutschen Großstädten Berlin preisgünstig finden. Das konnte ich zunächst gar nicht glauben. Aber es ist wahr: Gemüse, Blumen und Essengehen sind tatsächlich günstiger als zu Hause. Muss oder will frau in Berlin leben, finde ich es sehr wichtig, den Stadtteil sorgfältig auszusuchen. Es gibt so ne und so ne.