Ein Tag auf der Frankfurter Buchmesse 2012 oder Herta lacht! – Teil 2

So, nu aber raus, quer über den Platz, hin zu den Hallen 5 und 6.
Dort im ersten Stock zwischen den beiden Hallen ist das Blaue Sofa des ZDF.

Für halb eins wurde die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller erwartet.
Ja, ich mag ihre Bücher. Ich finde, die Atemschaukel ist eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe.
Und ich war gespannt, was Herta Müller über ihr neuestes Buch Vater telefoniert mit den Fliegen erzählt.

Sie sprach mit einer Leidenschaft über das Zusammenkleben von aus Zeitschriften , Zeitungen und Katalogen ausgeschnittenen Worten zu Sätzen, Reimen, Gedichten, dass es einfach herrlich war, ihr auch nur zuzuhören.
Es war ihr anzusehen, welch – fast kindliche – Freude ihr das Raussuchen von Wörtern für ihre Texte bereitet.

Sie erzählte außerdem, dass diese kurzen Texte und Gedichte den Vorteil haben, dass sie schneller fertig sind, als so ein umfangreicher Roman. Und das ist doch ein gutes Gefühl.
Weiterhin sagte sie, dass die bunten Worte auch eine Kompensation für das triste, graue Leben in Rumänien seien. Nach ihrer Ausreise wurde das Leben (und die Worte) so viel bunter, so dass sie einfach die bunten Worte ausschneiden und sammeln musste.

Es war ein wirklich tolles Gespräch, das eine sehr entspannte und heitere Herta Müller offenbarte. Eine Seite, die viele ihr wohl nicht zugetraut haben.

Herta-lacht!

Ich musste dabei an die Werbung für den Greta-Garbo-Film Ninotschka denken. Der damals angepriesen wurde mit der Schlagzeile Die Garbo lacht!, was sie ja in den vorherigen Filmen nie getan hatte.
Und ja, auch die große Herta Müller lacht. Wer hätte das gedacht!

Hier findet sich das gesamte Gespräch: Herta Müller auf dem Blauen Sofa

Nach einem Cappuccino und einem Muffin bin ich dann in die Halle 5 zum Weltempfang gegangen, zum Stand des Bundes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), dessen Mitglied ich bin.

Dort habe ich mich ein Stündchen mit Gabriele Matthey, der Hauptverantwortlichen am Stand, unterhalten. Unter anderem über meinen eigenen Standdienst am kommenden Samstag, der für mich eine Premiere sein würde.
Wir sprachen auch darüber, was für Menschen an den Stand kommen, um das Gespräch zu suchen und über das Phänomen, dass ganze Familien durch die Hallen ziehen und alles an Prospekten und anderen Geschenken einsammelt, die es kostenlos gibt.
Frau Matthey hat darüber gerätselt, was die Leute mit den vielen Prospekten machen und kam zu keiner wirklich guten Antwort.
Lesen die alle Prospekte? (Ich habe das bei meinen Prospektsammelaktionen der vorherigen Jahre nie geschafft.) Benutzen Sie die Prospekte als Heizmaterial? (Dabei brennt das bunte Zeug doch gar nicht so gut.)
Es wird also für uns wohl ein ewiges Rätsel bleiben.

Danach bin ich noch in die Halle 4 gegangen und habe dort die lesbisch-schwulen Verlage Querverlag und Ulrike Helmer besucht, und in Halle 4.2 einige wissenschaftliche Verlage – die Bücher herausgeben, die ich beruflich gebrauchen könnte – angeschaut und auch mit einigen Verantwortlichen gesprochen.

Mittlerweile war es denn auch schon 17 Uhr und allmählich wurden die Füße doch lahm und die Arme etwas länger. Obwohl ich dieses Jahr kaum Prospekte eingesteckt habe und auch nicht durch alle Hallen und Gänge gerannt bin.
Aber ich denke, nach fünf Stunden Buchmesse sind die meisten Menschen etwas fertig.

Alles in allem war es ein sehr schöner Tag und in meinem Empfinden der beste Besuch der Buchmesse, den ich bisher gemacht hatte.

Auch andere Menschen schrieben über die Buchmesse.