USA 2016 – Tag 13, Teil 1

(Die letzten Beiträge müssen leider ohne Fotos erscheinen, da meine Bearbeitungssoftware dafür den Geist aufgegeben hat.)

Oh, was für ein wunderbarer Tag!
Nein, wettertechnisch ist es immer noch nicht optimal gewesen: immer noch sehr heiß, immer noch sehr schwül.
Nein, autofahrtechnisch ist es zunächst auch nicht so optimal gelaufen: wir haben uns auf dem Weg zum Veranstaltungsort für die jährliche Konferenz zum Thema Lesbenliteratur der Golden Crown Literary Society elendig in Alexandria, Virginia verfranst, mussten zweimal nachfragen und waren dann etwas später dran als geplant.

Aber dann wurde es ein richtig guter Tag.
Wir haben unsere Tickets und Taschen mit vielen Sachen drin bekommen. Zum Beispiel ein Programmheft, Kurzübersicht über die Veranstaltungen heute, einen Stadtplan von Alexandria, Kugelschreiber, Schlüsselanhänger und noch ein paar mehr Dinge.

Die Konferenz richtet sich eigentlich eher an lesbische Autorinnen, aber Leserinnen sind natürlich ebenfalls herzlich willkommen. Sie dauert in der Regel von Mittwoch bis Sonntag, aber wir hatten uns nur für den Samstag, also heute, angemeldet, denn heute abend fand ja die große Gala zur Preisverleihung statt. Und außerdem wären die anderen Tage höchstens für mich interessant gewesen. Die anderen Drei lesen ja nicht ganz so viel amerikanische Lesbenliteratur im Original wie ich.

Es gibt Vorträge, Workshops und Podiumsdikussionen zu unterschiedlichen Themen, z.B. Wie finde ich einen Verlag? Wie halte ich die Leserin bei der Stange? Wie fange ich überhaupt mit dem Schreiben an?

Wir hatten es noch rechtzeitig zum Vortrag der heutigen Hauptrednerin Fay Jacobs geschafft, die schilderte, wie sie zum Schreiben und Verlegen gekommen ist; welch große Unterstützung sie von anderen Verlegerinnen bekommen hat, obwohl sie doch neue Konkurrenz war.
Auch hat sie den Appell an die Zuhörerinnen gerichtet, für den Erhalt lesbischer Kultur zu sorgen. Wir dürften nicht im Mainstream verschwinden und müssen das Andenken an die Pionierinnen erhalten. Dazu ist auch die Weitergabe unseres Wissens an Jüngere erforderlich.

Danach gab es Mittagessen. Ein Büffet mit Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, Salat und Keksen zum Nachtisch. Dazu gab es Wasser, Eistee und heißen Tee und Kaffee.

Mit uns am Tisch saßen zwei New Yorkerinnen und zwei Lesben aus Philadelphia. Wir haben uns über die Zeiten vor der Einführung der Klimaanlage in New York unterhalten (Übernachtung auf der Feuertreppe oder im Central Park, wenn es zu heiß wurde), über den Lesbensalon in ihrer Wohnung in New York, zu der schon mal 120 Frauen kamen. Über den Brexit und die Frage, warum nie jemand Urlaub in Philadelphia verbringt.

Anschließend waren Petra und ich bei der Podiumsveranstaltung: Unsere Generation – Ein kalter, harter Blick zurück mit Katherine V. Forrest, Karin Kallmaker, Jewelle Gomez, Lee Lynch und Marianne K. Martin. Sie berichteten über die Anfänge ihres Schreibens, wie wichtig bestimmte Bücher, Autorinnen und Verlegerinnen für sie waren. Es waren wirklich interessante Beiträge der Autorinnen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass sie noch ein wenig diskutieren würden. Dafür war leider keine Zeit mehr. Schade.

Na ja, auf der anderen Seite war es dann doch nicht sooo schlimm. So konnten Petra und ich nach draußen in den Garten gehen, um uns aufzuwärmen.
Ja, Ihr habt richtig gelesen: aufzuwärmen.
Ich wußte ja schon, dass die AmerikanerInnen ihre Klimaanlagen lieben und sie eher zu kalt als zu warm einstellen. Auch hier, in dem Hotel, in dem wir übernachten, müssen wir fast jeden Abend die Temperatur an der Klimaanlage höher einstellen, weil das Personal anscheinend jeden Morgen den Regler wieder verschiebt. Aber das Konferenzhotel hat es dann doch ein wenig übertrieben. Es war eisekalt in der Bude. Und das dauert, bis mir so kalt wird, dass ich friere und mich aufwärmen muss. Heute war es soweit.

Einen weiteren Tagesprogrammpunkt gab es heute nicht mehr.
Die drei Konferenzräume wurden für die Abendveranstaltung, der Verleihung der Goldies, zusammengelegt und umgeräumt.
So hatten wir Zeit bis um 18 Uhr und beschlossen, in das Zentrum von Alexandria zu fahren und dort ein wenig am Hafen und auf der Haupteinkaufsstraße, der King Street, herumzulaufen. Aber nicht mit dem Auto, nein, nein. Nicht nach der Herumsucherei von heute morgen. Wir haben uns also von einem Taxi hinbringen lassen.
(Die Fahrt dorthin erschien uns zunächst sehr weit und wir haben uns gefragt, ob der Fahrer wirklich den direkten Weg genommen hatte. Für die Rückfahrt hatten wir deshalb extra eine andere Taxifirma gewählt, aber der brauchte ebenfalls lange, sodass es wohl schlicht und einfach daran liegt, dass das Verantstaltungshotel so weit abseits ist.)

Alexandria zeigte sich uns leider nicht von ihrer schönsten Seite. Die Stadt war sehr voll (okay, es war Samstag nachmittag) und die Hafenpromenade war jetzt auch nicht wirklich sehenswert. Es ist nicht möglich, ein längeres Stück an ihr entlangzulaufen, immer ist irgendetwas im Weg, mal ein Haus, mal ein Zaun.

Wir sind dann ein wenig die King Street hochgelaufen. Nicht sehr weit, die Geschäfte waren nicht so dolle und es wurde auch ein wenig eng auf den Bürgersteigen vor lauter Leuten.
Nach einem kleinen Schauer sind wir dann umgedreht und haben uns einen Kaffee in der berühmt-berüchtigten Kaffeekette geholt, die mittlerweile in den USA weiter verbreitet zu sein scheint, als der Burgerladen mit dem goldenen M.

In einem Geschenke-/Weihnachtsartikel-Laden hat Petra dann noch eine Kleinigkeit gekauft und wir beschlossen, zurück zum Hotel zu fahren.

Alles weitere erfahrt Ihr in Teil 2.