USA Juli 2016 Tag 13, Teil 2

Um 18 Uhr ging es dann mit der Abendveranstaltung los.
Vor den Konferenzsälen waren Tische mit Obst, Gemüse und Dip, Brot, Käse und Kuchen aufgebaut; es gab alkoholische und alkoholfreie Getränke für teuer Geld zu kaufen und Service-Mitarbeiter liefen herum und boten fritierte Shrimps und Fleischbällchen an.
Das Essen war wieder ganz lecker und wir griffen gerne zu.

Ach ja, wir hatten uns ein wenig in Schale geschmissen, damit wir unter den vielen Lesben in wunderbaren Cocktailkleidern und Anzügen (hatten wir nicht dabei) nicht ganz so negativ auffielen.

Um Sieben begann dann die Preisverleihung. Die Türen öffneten sich und wir fühlten uns ein wenig wie bei der Oscar-Verleihung. Im Raum gab es große runde Tische, eine Bühne und gedämpftes Licht. Links und rechts waren zwei große Leinwände aufgebaut, auf denen dann jeweils die nominierten Bücher und die Gewinner-Bücher gezeigt wurden.
Es gab Preise in insgesamt 19 Kategorien, 14 Genre-Kategorien und 5 Spezialkategorien. Zum Beispiel:

Autorinnendebüt
Erotika
Historienroman
Krimi/Thriller
Fantasy/Science Fiction
Übersinnlich/Horror
Umschlaggestaltung.

Die Nominierten in den Kategorien wurden jeweils von zwei oder drei Frauen vorgestellt, die dann auch die Preise überreichten. In manchen der Kategorien gab es nur eine Gewinnerin, in manchen zwei und manchmal auch drei.

Die Nomminierten wurden immer heftig bejubelt, mal brandete Applaus auf der linken Seite des Raumes auf, mal jubelten schon einige auf der rechten Seite des Raumes. Die Stimmung war wirklich toll.

Alles Preisträgerinnen finden sich hier.

Ganz besonders schön war zwischendurch auch das Gedenken an die verstorbenen Schwestern, also Autorinnen, die 2015 oder Anfang 2016 verstorben sind.
Sie alle wurden mit Bildern präsentiert, untermalt von einer Dudelsackspielerin, dann kurz vorgestellt und zum Abschluß erklang dann noch Amazing Grace.
Das klingt jetzt nicht so schön, wie es war. Es war überhaupt nicht kitschig, überhaupt nicht übertrieben sentimental.

Der Übergang zur weiteren Preisverleihung klappte auch sehr gut, denn an dieser Stelle wurde eine der Organisatorinnen mit einem sehr schönen und teilweise auch lustigen Video verabschiedet. So konnte die Stimmung gut von getragen wieder zu freudig wechseln.

(Ylva-Publishing hat übrigens 5 Goldies gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!)

Zum Abschluß hab es noch zwei Sonderpreise. Den Lee Lynch Classic Award, der Preis für ein Buch, das zum Klassiker geworden ist. Erhalten hat diesen Preis heute abend Katherine V. Forrests Debütroman Curious Wine, deutscher Titel Seltsamer Wein.
Katherine Forest hielt eine sehr bewegende Rede über ihre Anfänge und wie sie von der Verlegerin Barbara Grier dazu überredet wurde, überhaupt zu schreiben.

Danach gab es dann den sogenannten Trailblazer Award. Ein Preis für eine Vorreiterin/Pionierin der Lesbenliteratur, in diesem Fall für Jewelle Gomez, die mit ihrem Roman The Gilda Stories den Weg bereitete für afroamerikanische Autorinnen lesbischer Literatur. (Der Roman über eine schwarze, lesbische Vampirin ist leider nicht auf Deutsch erschienen)

Frau Gomez hielt ebenfalls eine sehr schöne Ansprache und gab der Veranstaltung einen schönen Abschluß mit Ihrem Statement:

The mainstream culture will not take care of us. If we don’t no-one will.

(Der Mainstream wird nicht für uns sorgen. Niemand wird das tun, wenn ihr es nicht selbst machen.)

Ach, es war wirklich ein wunderbarer Abend. Nach der Preisveleihung war noch Tanz angesagt. Unter anderem konnten Tänze mit bekannten Autorinnen ersteigert werden. Doch uns war es schon zu spät. Wir mussten ja noch zurück nach Washington.

So habe ich nur noch ein paar Fotos mit Autorinnen abgestaubt, die ich leider heute noch nicht zeigen kann (siehe Vorbemerkung zu Teil 1).
Das werde ich aber nachholen, wenn wir wieder zurück sind. Versprochen.
Dann werde ich auch vom letzten Tag berichten. Jetzt mag ich nicht mehr, es ist schon kurz nach 1 Uhr nachts und morgen wird zurückgeflogen.

Gute Nacht.

Nachtrag am 12. Juli: das hier war jetzt wohl der letzte Beitrag, den ich mit meinem treuen Delta Flyer, einem kleinen Netbook, geschrieben habe. Ich fürchte, das Teilchen muss jetzt in den Ruhestand. Danke lieber Delta Flyer, du hast mir gute Dienste geleistet!!