USA Juni 2016 – Tag 3

Oh, was für ein Tag!

Kurzfristig haben wir die Pläne für den heutigen Tag geändert und sind nicht nach Boston gefahren.
Schatzi hat leider Probleme mit ihrer rechten Ferse, wahrscheinlich ein entzündeter Fersensporn. Da ist das mit dem vielen Laufen natürlich nicht ganz so ideal.
Petra hatte dann vorgeschlagen, dass Schatzi sich mal einen Quarkwickel um den Fuß macht und ein wenig ruht.
Nachmittags könnten wir dann ja zur Plimoth Plantation fahren und uns dort alles anschauen.
Da waren wir anderen natürlich mit einverstanden.
Ein Problem war nur: woher kriegen wir den Quark?
In den USA gibt es den nämlich meist nur in Geschäften mit deutschen Spezialitäten.
Petra kam dann auf die Idee, statt des Quark Joghurt zu benutzen. Der kühlt auch und sie hatte gestern einen großen Topf Naturjoghurt gekauft; in klein gab es den nicht.
Also, Tuch her, Joghurt her, Schatzi in den Schaukelstuhl auf dem Balkon vor unserem Zimmer platziert, Fuß hochgelgegt, Joghurt auf die schmerzende Stelle und Tuch drumrum gewickelt. Reiseführer und Karte in die Hand gedrückt und Ruhe bewahren.
Ich habe derweil ein wenig Internetrecherche betrieben und bin noch eine Runde schwimmen gegangen.
Petra und die Tänzerin haben sich zu Fuß auf den Weg zu einer Wassermühle gemacht, die hier im Ort an einem kleinen Bach gelegen ist und auch zur Plimoth Plantation gehört.
Sie sind den Weg am Bach entlang gegangen und entdeckten plötzlich am Ufer eine Waschbärenfamilie.
Das war schon klasse, so mitten im Ort diese Tiere zu entdecken!

Als sie dann nach ein paar Stunden wieder kamen, hatten wir alle auch schon wieder Hunger und sind deshalb zum Lobster Hut gefahren, um etwas zu essen.
Danach ging es dann zur bereits erwähnten Plimoth Plantation.

Diese Anlage ist eine Art Freilichtmuseum, die 1947 4 km außerhalb von Plymouth errichtet wurde und das Leben der ersten Siedler aus Europa in Plymouth lebendig werden lassen soll. Ganz genauso haben die Häuser wohl damals nicht ausgesehen, aber es soll der Wirklichkeit schon recht nahe kommen.

Es gibt dort auf der Anlage auch einen Bereich, in dem das Leben der Wampanoag dargestellt wird, wie es im 17. Jahrhundert gewesen sein könnte.
Während im Dorf der Pilger Schauspieler die Rollen der ersten Siedler aus Europa übernehmen, sind es im Lager der Wampanoag echte Nachfahren dieser Native Americans oder Mitglieder anderer Stämme, die über das Leben zu der Zeit berichten.

Hier ein Foto aus dem Dorf der Pilger mit Blick auf den Atlantik:

Plimoth-Plantation-und-Ozea

Auf dem Gelände gibt es außerdem noch einen Bereich mit Tieren, die damals dabei waren (haben wir nicht angeschaut), ein sogenanntens Craft Center, in dem Handwerkskunst der damaligen Zeit – sowohl der Native Americans als auch der Engländer – vorgeführt und auch verkauft wird; zwei Museumsshops und eine kleine Cafeteria (auch hier gab es nur gruseligen Kaffee zu kaufen und fürchterlichen Pulver-Cappuccino).
Ich habe mir drei Bücher und eine Glocke gekauft.

Tiere, die wir auf der Plantation gesehen haben, waren Streifenhörnchen, Rotschulterstärlinge, fürchterliche Prozessionsspinnerraupen, die elendig brennen und sich leider ausgerechnet einen Unterstand, wo Tische und Stühle für die Besucher standen, als Wohnort ausgesucht hatten.
Sie krabelten an Tisch- und Stuhlbeinen hoch und wir mussten höllisch aufpassen, von ihnen nicht erwischt zu werden. Leider hat es nicht ganz geklappt. Ein paar hatten uns erwischt, aber zum Glück nur auf der Kleidung und nicht auf der nackten Haut.

Lustig hingegen war das wohl langsamste Eichhörnchen der Welt, das unseren Weg mit einer Geschwindigkeit kreuzte, die eher an eine Schnecke als an ein Eichhörnchen denken ließ. Leider waren wir alle viel zu verblüfft, als dass wir ein Foto hätten machen können.

Nach einem kurzen Abstecher zum Motel sind wir dann gegen fünf nach Duxbury gefahren. Davon berichtet Euch jetzt Schatzi.

Fünf Uhr ist natürlich noch viel zu früh, um mit der „Action“ aufzuhören. Also fuhren wir einfach mal in den nördlichen Nachbarort Duxbury – ohne recht zu wissen, wie’s da so ist. Nun: Zunächst fuhren wir vorbei an großen bewaldeten Grundstücken mit wunderschönen Häusern – die Domizile des alten, neu-englischen Geldadels (durchschnittliche Haushaltseinkommen $ 98.000,00 pro Jahr und nur 1,7% der EinwohnerInnen unter der Armutsgrenze). Dann kamen wir auf einen kleinen Marktplatz und wussten nicht weiter. Eine recht betagte Dame kam aus einem Geschäft und wir ergriffen die Gelegenheit, sie anzusprechen. Es war eine total witzige, schlagfertige Einwohnerin von 86 Jahren, die sich sofort bereit erklärte, uns zum Strand zu eskortieren. Also fuhr sie vor uns her und geleitete uns zu einem Parkplatz, den wir alleine nie gefunden hätten.
Von dort aus gingen wir auf der längsten Holzbrücke der USA (ca. 600 m lang) auf eine Halbinsel. Nur BewohnerInnen haben einen Jahrespassierschein für ihr Auto- Alle anderen müssen zu Fuß über die Brücke – so, wie wir. Unterwegs trafen wir ein Lesbenpaar, das uns die Gegend erklärte – sehr nett und hilfsbereit. Links und rechts der Brücke war eine große Bucht mit Segelbooten. Der Himmel war blau, das Meer auch, die Sonne strahlte bei ca. 28 Grad – phantastisch.
Am anderen Ende der Brücke angekommen, war da ein Securitymensch in einem Hüttchen und noch eine kleine Brücke, die über die Dünen zum Strand führte. Und was für ein Strand – puderiger, heller Sand, der offene Atlantik mit leichter Brandung und nicht mal ein Dutzend Menschen am Strand. Die Tänzerin und ich gingen mit den Füßen ins Wasser – recht kalt und das bleibt auch so im Hochsommer, denn der Golfstrom erreicht diese Küste nicht. Es war quasi unverkennbar, dass es sich hier um einen Strand für die BewohnerInnen von Duxbury handelt – wohlhabende Menschen, die unter sich sein wollen. Deshalb steht dieser wunderschöne Strand auch in keinem Reiseführer.
Zurück an Land fuhren wir wieder zum kleinen Marktplatz und aßen Pizzas und Meatball-Gerichte und zum Nachtisch ein sehr gutes Eis aus der benachbarten Eisdiele. Dort trafen wir ein Ehepaar mit seinen 3 kleinen Kindern. Das kleine Mädchen war 4 und äußerst kommunikativ und aufgeweckt. Die Eltern waren recht zurückhaltend und wohl ein wenig argwöhnisch über uns Fremde. Den Weg zurück fanden wir ganz prima. Wir waren alle 4 seht angetan von diesem überraschend tollen Duxbury.

Morgens geht’s früh nach Cape Cod – nach einem weiteren Über-Nacht-Joghurt-Umschlag.