Verona, 30. August bis 2. September 2013, Aida

Ganz kurz:

Um 21 Uhr begann die Vorstellung,
um 0.45 Uhr war Aida tot,
um 0.58 Uhr saßen wir im Bus zurück zum Hotel.
um 1.00 Uhr kam ein Wahnsinns-Regenschauer auf die Stadt runter.
Das nenne ich mal Riesenglück, oder wie Schatzi meinte: „Das glaubt uns kein Mensch!“

Und jetzt etwas länger:

Den ganzen Tag haben wir immer wieder zum Himmel geschaut, denn es war Regen und Gewitter angesagt.
Ständig zogen riesige Wolkenfelder vorbei, kam die Sonne wieder durch, kamen die nächsten Wolken angezogen.
Aber es blieb trocken.
Starker Regen oder gar Gewitter hätten eine Absage der Aufführung bedeutet. Und das wäre ja sowas von überhaupt gar nicht schön gewesen!

Um halb neun gingen wir dann frohen Mutes und ordentlich angezogen rüber zur Arena. Da unsere Plätze im Innenraum der Arena liegen, müssen wir keine drei Millionen Treppenstufen hochklettern, um da hin zu gelangen.
Es passen übrigens 13.500 (!) Zuschauer in die Arena, aber ganz so viele sind es heute abend nicht, ich tippe mal auf 12.000.
Um in den Innenraum zu kommen, muss frau zwei extrem hohe Rundgänge durchqueren, wobei die Durchgänge relativ niedrig waren, aber um 30 n. Chr. waren die Menschen noch etwas kleiner als heute.
Schatzi war ganz enttäuscht, dass die Ränge rundherum nicht moosbewachsene alte, graue Steine, sondern ungefähr bis Halbhoch mit Stühlen bestückt waren, die aber nicht ganz so bequem aussahen.
Weiter oben sind dann eben doch Steinstufen (oder Marmor?), halt nur nicht moosbewachsen. Und dann waren die auch noch so unverschämt, und haben das Ganze in den letzten 2.000 Jahren mal hin und wieder renoviert, ja wo sind wir denn??? Wenn das alle machen würden!!! Also echt jetzt. 😀

Nein, wir haben nicht die super-duper, extrem teuren Mittelplätze, unsere sind am Rand des Parketts. Die sind auch viel besser, denn rechts und links sitzt niemand neben uns.
Und so sieht ein Stuhl hier aus:

Schick rot, leicht gepolstert, aber nach ca. anderthalb Stunden waren wir froh, dass der große deutsche Reiseveranstalter noch Sitzpolster in unser Opernset gepackt hatte. Es waren auch noch zwei LED-Lämpchen, zwei Regencapes und zwei Progamme in der Tasche.

Um Punkt 21 Uhr ging es dann los.
Aus feministischer Sicht ist Aida ja eine einzige Katastrophe. Dieser Zickenkrieg und dieser bescheuerte Selbstmord wegen dieses Kerls: das braucht ja keine Frau. Aber es gibt wohl kaum eine traditionelle Oper, in der die Frauen besser wegkommen.
Allerdings muss ich auch sagen, dass die Oper wohl das einzige Genre der Kultur ist, in dem ein Moppelchen einen jugendlichen Liebhaber und Helden spielen kann. Und der Radamès in dieser Aufführung ist unverkennbar ein Moppelchen.

Aber das Bühnenbild war grandios. Ich hatte ja im ersten Eintrag zu dieser Reise schon Teile des Bühnenbildes gezeigt.
In der Arena konnte ich nicht so gut fotografieren, denn im Gegensatz zu diversen anderen Menschen in diesem Rund habe ich mich an das Verbot, während der Vorstellung zu knipsen, gehalten.
Hier ein Foto aus der letzten Umbaupause vor dem vierten Akt, einfach um mal das Größenverhältnis Bühnenbild – ZuschauerInnen zu zeigen:

Und es waren Unmengen von Darstellern auf der Bühne, auf den Rängen links und rechts und hinter der Bühne, hinauf bis ganz nach oben.
Prächtige Kostüme, gewaltige Aufbauten, echte Pferde (Schimmel, keine Elefanten, wie unsere Freundin, die Opernexpertin gehofft hatte), Fackeln und Palmen und Hörner und Trompeten und was weiß ich noch alles.

Wir haben ja die Inszenierung von 1913, also aus dem Jahr der Premiere der Opernfestspiele von Verona, gesehen. Das war an manchen Stellen auch zu merken. Es wurde an einigen Stellen Ballett getanzt, wo frau dann schon das Gefühl hatte, einen dieser alten Tanzfilme aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu sehen. Und ob das mit diesen süßen kleinen schwarzen Sklavenkinderchen, die dort auch rumturnten, so geschickt war, bezweifle ich ja auch.

Zum Musikalischen kann ich nicht allzu viel sagen. Die Akkustik in der Arena ist ein bißchen schwierig. Es gab übrigens einen Claquer, der nach jeder Arie, nach jedem Duett, ständig und mittendrin Brava! rief und die Leute zum Klatschen anstiftete.
Und die ZuschauerInnen konnten nur schwer an sich halten, beim Triumphmarsch nicht mitzuklatschen.
Unsere Opernfreundin wäre entsetzt gewesen!

Nach jedem Akt gab es eine ca. zwanzigminütige Pause.
Wir fanden das zunächst ein wenig übertrieben, weil sich dadurch natürlich alles extrem verzögerte. Allerdings waren die Pausen dann doch wohl nötig, denn die Umbauten waren schon sehr aufwendig. Diese riesigen Teile durch die Gegend zu schieben, ist ja auch kein wahres Vergnügen.
Aber wir hatten dann zwischendurch ein kleines Problem mit dem Wachbleiben.

Frau sollte übrigens nicht unbedingt Getränke und diverse Snacks in der Arena kaufen. Die Preise sind schon relativ hoch. Allerdings trifft das auf einen Kinobesuch ja auch oft zu.

Und dann war zu Ende.
Aida und Radamès schick eingemauert (war so nicht zu erkennen), der letzte Ton verhallt und wir verstanden dann auch den ständigen Applaus zwischendurch inklusive der Verbeugung der Sängerinnen und Sänger.
Die Besucher stürmten sofort aus der Arena, um zu ihren Bussen zu kommen.
Und in diesem Fall war das auch die richtige Entscheidung, denn wie schon gesagt, kaum saßen wir im Bus, fing es heftig an zu schütten.
Boah, was haben wir ein Glück gehabt! Wir saßen relativ nahe am Ausgang, so dass wir auch schnell draußen waren. Kurz vor Ende hatte Schatzi übrigens schon ein paar Blitze gesehen, die eindeutig nicht von Fotoapparaten stammten.

Und, wie fanden wir es?
Das war wirklich ein beeindruckender Abend, auch wenn sich das Ganze ein wenig hinzog. Allein wegen des großartigen Bühnenbildes hat sich der Besuch gelohnt.
Übrigens würde ich dringend empfehlen, sich einen Schal und eventuell eine warme Jacke mitzunehmen. In der Arena wurde es ziemlich windig, obwohl es vor der Arena fast windstill war.

Es war mal wieder ein schöner Urlaub, den wir sehr genossen haben.
Das Essen war fast überall hervorragend, selbst am Flughafen haben wir vor unserem Abflug noch eine leckere Kleinigkeit gegessen und auf dem Rückflug gab es Eis!!!

Bis zur nächsten Reise!

P.S.: auf Wikipedia gibt es ein paar sehr schöne Bilder von der Arena.
Wenn frau auf das große Innenraumfoto klickt und dann in die Mitte zoomt, kann sie rechts unsere Sitzplätze sehen. Die beiden einzelnen Plätze ganz am Rand, letzte Reihe