Weimar 2011 – Ohne Titel

Heute morgen haben wir ein wenig länger geschlafen und sind dann zum Frühstück ins Andy’s gegangen, der Gaststätte im amerikanischen Stil, von der ich schon berichtet hatte.
Dort gab es wunderbares amerikanisches Frühstück, inkl. leckerer Pancakes.
Da werden wir morgen wieder hingehen! Also Ladies, wenn ihr mal amerikanisch frühstücken möchtet und keine Lust habt, in die USA zu fliegen, fahrt nach Weimar und besucht Andy’s! (Nein, ich kriege keine Prozente 🙂 )

Danach sind wir zurück zum Frauenzentrum gegangen und haben unsere Rechnung bezahlt. Dabei haben wir uns ein wenig mit einer der Frauen unterhalten.
Sie erzählte uns, dass sowohl das Gebäude, in dem die Vereinsräumlichkeiten sind, als auch das Gebäude mit der Pension dem Verein gehören. Sie haben 1997 das vordere Gebäude recht günstig erworben und dank des damaligen Bürgermeisters, der aus dem Westen kam und ihnen gegenüber sehr aufgeschlossen war, kamen sie an einige Fördertöpfe heran, die bei der Finanzierung der Renovierungsarbeiten halfen. Bedingung war, dass sie für mindestens 20 Jahre Sozialarbeit in dem Haus machen. Später haben sie das Wagnis aufgenommen, das Gebäude dahinter auf Kredit zu kaufen und in eine Pension umzuwandeln.
Sie berichtete weiterhin, dass die Frauen, die das Haus besuchen, im Laufe der Zeit immer unpolitischer wurden und heute werden keine Extra-Angebote für Lesben oder Heteras gemacht. Am besten besucht sind der Stammtisch und die Filmabende. Insgesamt gehen aber auch in Weimar die Besucherinnenzahlen zurück.
Interessant war noch, dass sie davon überzeugt war, dass die Frauen in Westdeutschland noch viel aktiver und politischer seien.
Wir sagten ihr dann, dass wir Westfrauen das von den Ostfrauen dachten.
Tja, so ist das manchmal.
Wahrscheinlich ist die Wahrheit eine ganz andere: dass es nämlich in ganz Deutschland Orte gibt, in denen noch viele Frauen/Lesben sich engagieren und welche, in denen es nur wenige Aktive gibt.


Buchenwald

Anschließend sind wir zur Gedenkstätte Buchenwald gefahren. Dem ehemaligen Konzentrationslager in der Nähe von Weimar auf dem Ettersberg.
Dieses ehemalige bewaldete Areal wurde 1937 von ersten politischen Häftlingen für das Konzentrationslager gerodet und an die Strom- und Wasserversorgung angeschlossen.
Auf einer riesigen Fläche waren zunächst bis Oktober/November 1938 überwiegend politische Gefangene, Zeugen Jehovas und Homosexuelle inhaftiert. Nach der Progrom-Nacht 1938 kamen auch immer mehr Juden ins Lager. Nach Kriegsbeginn kamen Kriegsgefangene u.a. aus den Niederlanden, Frankreich und der Sowjetunion hinzu.

Buchenwald war hauptsächlich ein Lager für Männer. Es war streng hierarchisch organisiert, es gab „bessere“ und „schlechtere“ Häftlinge. Zu Letzteren gehörten in der Regel die Juden.
Die Nazis haben sogar ein Bordell für die Häftlinge eingerichtet, in dem Frauen aus Ravensbrück arbeiten mussten, unter dem Vorwand, dass sie danach freikämen.
In Buchenwald wurden viele medizinische Experimente an den Gefangenen durchgeführt. So wurde zum Beispiel versucht, die Homosexuellen, die ja als „krank“ galten, durch Hormongabe zu „kurieren“.

Im Lager Buchenwald gab es übrigens einen zoologischen Garten mit Tieren aus dem Leipziger Zoo. Der lag genau gegenüber dem Stacheldrahtzaun, hinter dem sich das Gefangenenlager befand. Die Häftlinge „durften“ also den Familien der SS-Leute bei ihrem Ausflug in den Zoo zuschauen.

Auch wenn es sich bei Buchenwald „nur“ um ein Konzentrationslager und nicht um ein Vernichtungslager handelte, starben hier dennoch über 50.000 Menschen.

Wir haben dies während einer Führung durch einen Teil der Anlagen erfahren. Der Guide (jedes entsprechende deutsche Wort wäre hier unpassend) berichtete sehr umfänglich und detailreich.

Über dem Eingangstor zum Lager steht „Jedem das Seine“, ein Satz der ursprünglich ein römischer Rechtsgrundsatz war (sinngemäß, das Jeder das Recht auf Gerechtigkeit hatte). Somit stammt dieser Satz zwar nicht ursprünglich aus der Nazizeit, aber wurde von diesem verbrecherischen System aufs Zynischste mißbraucht. Das sollte heute alle dazu mahnen, diesen Satz nicht einfach so bedenkenlos zu verwenden.

Das einzig Irritierende bei diesem Besuch in Buchenwald war das Wetter. Wir hatten strahlenden Sonnenschein und alles sah fast schon idyllisch aus.

Im Schloß Ettersburg gibt es eine Gedenktafel an die US-amerikanischen Militärärzte, die nach der Befreiung Buchenwalds die überlebenden Häftlinge gesundgepflegt haben.

Schloss Ettersburg

Auf der anderen Seite des Ettersbergs liegt Ettersburg und mitten drin das Schloss, eine der Sommerresidenzen von Anna Amalia am Rande eines sehr weitläufigen Parks.

Mittlerweile ist das alte Schloss Ettersburg ein Seminar- und Tagungsort und das neue Schloss gegenüber beherbergt ein Restaurant.
Wir haben uns auf die Terrasse des Restaurants gesetzt und die Aussicht auf den wunderschön angelegten Landschaftspark genossen, was nach dem bedrückenden Besuch in Buchenwald einfach nur gut tat.

Apolda

Danach ging es weiter ins 24 km entfernte Apolda, um das Glockenmuseum zu besuchen.
Das war gar nicht so einfach zu finden. Denn überall auf den Schildern stand einfach nur Museum und wir wussten nicht, gibt es nun ein oder mehrere Museen in Apolda?
Wie sich dann gezeigt hat, befinden sich das Stadtmuseum und das Glockenmuseum in ein und demselben Gebäude.
Das Museum informiert sehr gut über die Geschichte und Bedeutung der Glocke und des Glockenbaus auf anschaulichen Tafeln und mit Glocken, Formen und Grafiken als Beispielen.
Die Glockensammlung ist schon schwer und beeindruckend. Es war so manches Exemplar darunter, dass ich liebend gerne meiner eigenen Glockensammlung hinzugefügt hätte. Allerdings bin ich sicher, dass unser Vermieter da nicht so mit einverständen wäre. So von wegen Statik des Bodens unserer Wohnung und so. 😉
Stattdessen gab es nur eine kleine Glocke für mich mit dem Aufdruck Glockenmuseum Apolda. Das ist ja auch ganz schön.

Was Schatzi und mir sofort auffiel, war die Tatsache, dass das Land Thüringen mal dringend ein bißchen Geld in die Restaurierung und Sanierung nicht nur des Museums sondern auch der Stadt Apolda an sich stecken sollte. Da liegt doch noch einiges im Argen. Weimar wurde jetzt genug verschönert, gebt mal was an Apolda!

Schloss Tiefurt

Auf dem Weg zurück zur Pension haben wir noch einen kleinen Schlenker über Tiefurt genommen.
Hier liegt ein weiteres Schloss, das Anna Amalia mal als Sommerresidenz diente.

Wir sind einmal ums Schloss herumgelaufen, haben wieder ausführlich einen wunderschönen großen Park bewundert und dann die Gaststätte Alte Remise entdeckt. (Eine Remise würde heute schlicht und ergreifend Garage heißen.)

Und sie war eine Entdeckung. Da wir nach dem langen Tag Hunger hatten, beschlossen wir, dort zu Abend zu essen. Ich hatte Medaillon vom Schweinefilet mit Speck umhüllt, einer Kräuterkruste, knackigen Gemüse, Kartoffelstrudel und Pflaumenjus und Schatzi hatte Saftige Perlhuhnbrust mit glasierten Möhren, Frühlingslauch und Kartoffelstrudel.
Der Kartoffelstrudel war zweifarbig, gelb und lila. Wie das sein kann, sag ich Euch nicht. Es war jedenfalls nicht schimmelig und auch nicht angemalt.:D
Jaaaa, es schmeckte so lecker, wie das jetzt klingt. Einfach ein Gedicht.
Da hatte es die Göttin der Speisen mal wieder gut mit uns gemeint. B)
Selbst das Stück Apfelkuchen, das Schatzi und ich uns hinterher noch geteilt haben, war lecker.

Dann ging es über das Schloß Kromsdorf, um das wir einmal herum gelaufen sind, zurück zur Pension.
Das Schloß Kromsdorf gehört wohl nicht zu dieser Klassikstiftung, die viele Schlösser und Wohnhäuser hier in der Gegend verwaltet, und ist dementsprechend auch nur halb restauriert.
Es scheint doch so einige Ungerechtigkeiten hier zu geben.
Mal schauen, wie es morgen in Rudolstadt aussieht.