Weimar Juli 2011 – Bauliche Gegensätze

Die Sonne scheint, die Vöglein singen!!!

Hurra, hurra, die Sonne ist da! Nachdem es die letzten zwei Tage durchgehend bewölkt, aber trocken war, scheint heute endlich die Sonne und es ist wunderbar warm.

Zum Frühstück ging es heute morgen ins Scenario Weimar, in der Carl-August-Allee/Ecke Meyerstraße.
Wir hatten ein klassischen Frühstück, also Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade, Nutella, Ei. War gut.

Danach sind wir in die Stadt gelaufen und zur Touristeninfo gegangen. Dort habe ich ein Weimar-T-Shirt gekauft und Schatzi zwei Karten für eine Kabarett-Vorstellung am Donnerstag. Über Letzteres halt erst am Donnerstag mehr.

Dann ging es rüber zur Anna-Amalia-Bibliothek.
Dort erfuhren wir, dass täglich nur eine begrenzte Anzahl an Personen in den Rokokosaal dürfen (250) und dass es nur noch Karten für 15 Uhr gibt. Die haben wir dann natürlich sofort gekauft.

Wir beschlossen dann, zunächst zum Bauhaus-Museum zu gehen.
Auf dem Weg dorthin haben wir uns kurz das Schloß von außen angeschaut und sind dann zum Herderplatz gegangen, an dem sich die Weimarer Kaffee-Rösterei befindet, die einer Frau gehört.
Dort haben wir Kaffee und Cappuccino getrunken. Beides schmeckte sehr gut. Die Eistee, die wir auch noch bestellt hatten, waren nicht ganz so lecker. Aber was trinken wir auch Tee in einer Kaffeerösterei!

Im Bauhausmuseum neben dem Wittumspalais haben wir uns dann die Ausstellung, die sich auf einen großen Raum beschränkte, angeschaut. Und dabei mal wieder festgestellt, dass die Kerle doch alle gleich sind.
Zwar waren im ersten Semester 1919 84 Frauen gegenüber 79 Männern an der Bauhaus-Universität eingeschrieben, aber Gropius meinte, er müsse sie mal alle in den Bereich Weberei stecken.
Einige der Frauen haben sich dagegen gewehrt. Unter anderem Alma Siedhoff-Buscher und Marianne Brandt.
In diesem Zusammenhang ist auch recht interessant, dass eine kurze Info über die Frauen im Bauhaus nur auf einer Tafel im Museumsshop zu finden war. Dort stand unter anderem: „… die Emanzipation am Bauhaus ist eher Mythos denn Realität.“
Mal gucken, was so in dem Buch geschrieben steht, das ich Schatzi zum Geburtstag schenken werde.
Für alle, denen es kurzfristig entfallen ist: das Prinzip des Bauhaus lautet in Super-Kurzform „Form folgt Funktion“.

Nach einem kleinen Stopp für einen Snack beim Sternenbäck gingen wir dann langsam schlendernd zurück zu Anna-Amalia-Bibliothek.
In Filzpantoffeln schlufften wir ehrfürchtig in den Rokokosaal, in dem sich ca. 6.000 der über 800.000 Bücher der Bibliothek befinden. Die anderen Bücher sind im Magazin unter dem Platz der Demokratie vor dem Gebäude.
Nach dem verheerenden Brand von 2004 erstrahlt der Saal im neuen Glanz, auch wenn noch längst nicht alle Bücher, die damals beschädigt wurden, wieder hergestellt sind. Viele Bücher sind ja auch unwiederbringlich verloren gegangen.
Die Räume wurden innerhalb eines Jahres von 58 Menschen restauriert.

Der Saal sieht übrigens auf Fotos viel größer aus als er in Wirklichkeit ist. Ein Hoch auf das Weitwinkel-Objektiv!
Es gibt im Saal aber nicht nur Bücher. Es stehen auch jede Menge Büsten von ollen Kerlen rum. Goethe, Schiller, Wieland und Konsorten.
Ein sehr schönes Bild von Johanna Schopenhauer hängt da aber auch.

Die Aufsicht (eine Frau) erzählte uns, dass täglich Leute kommen, um Bücher im Sonderlesesaal einzusehen. Die Bücher dürfen nur unter Aufsicht benutzt werden, und ohne Handschuhe. Sie sagte, die Fasern der Handschuhe würden die Bücher mehr beschädigen als die nackten Hände.

Die Anna-Amalia-Bibliothek war von Anfang an eine Leihbibliothek. Leiter war unter anderem Goethe. Damals konnten die Bücher noch für bis zu 6 Monate ausgeliehen werden.
Eine Frau, die seit drei Jahren fast täglich in die Bibliothek kam, arbeitet laut Aussage der Aufsicht an einer Dissertation über das Ausleihverzeichnis, dass Goethe damals führte. Dabei stellte sie fest, dass von den 500 Menschen (bei 5.000 Einwohnern), die Bücher ausliehen, nur 10% Frauen waren.

Anschließend sind wir noch ein wenig durch den idyllischen Ilmpark hinterm Schloß geschlendert.
Danach brauchten wir erst mal ein Eis.
Wir gingen zum Eiscafé Dolomiti am Markt. Schatzi hatte einen Eiskaffee und ich ein Schoko-Spaghettieis. Das Eis war auch ganz okay, aber am Verhältnis Eis zu Sahne muss der Laden, der für Weimarer Verhältnisse auch nicht eben günstig ist, noch heftig arbeiten! Und der Cappuccino war leider auch nicht so dolle.

Nun waren wir beide ziemlich fußlahm. Wir haben uns deshalb in einem Geschäft, in dem es sowohl eine Bäckerei als auch eine Fleischerei gab, Brötchen gekauft, die uns die Fleischereifachverkäuferin netterweise mit Margarine beschmiert und mit Wurst belegt hat.
Dann sind wir mit dem Bus zurück zur Pension gefahren, haben die Gartenmöbel abgewischt und es uns draußen gemütlich gemacht. Wo wir übrigens immer noch sitzen, während ich hier rumblogge.

Morgen kommt etwas schwerere Kost, da geht es zum KZ Buchenwald.