Wien im März 2017 – Tag 2, Teil 2

Das Dorotheum – ein Erlebnis der besonderen Art…….  Frau stelle sich vor: Ein riesiges Palais, mehr als einen halben Häuserblock lang mit 3 Etagen und pro Etage vier sehr große Säle voll mit Schmuck, Gemälden, Skulpturen, Möbeln, Glas- und Porzellanwaren, Wandteppichen u.v.m. Wir liefen durch die Gänge und dachten nur immerzu „Wer kauft bzw. ersteigert das nur alles ?“ Aber: Seriösen Quellen ist zu entnehmen, dass es eines der umsatzstärksten Auktionshäuser der Welt ist. Und das Cafe im 2. Stock ist wohl ein Geheimtipp und trägt auch zum Renomme und Umsatz bei. Jeden Tag finden Versteigerungen statt, auch so exotische wie „Stammeskunst aus aller Welt“ oder Kolonialkunst. Schatzi 1 hat auf Nachfrage erfahren, dass wohl Auktionen von Waffen und von Pelzen den größten Zulauf haben, was den MitarbeiterInnen des Dorotheums wohl selbst ein wenig unangenehm ist. Apropos MitarbeiterInnen: Alle studierte und spezialisierte KunsthistorikerInnen – muss ein Traumjob sein, an den sicher nicht so leicht ranzukommen ist. Das Dorotheum ist -anders als vielleicht viele Auktionshäuser in Deutschland-ein sehr offenes Haus. Jede und jeder kann reinmarschieren mit Erbschaften und Haushaltsauflösungen und dann Gutachten und Schätzungen einholen. Jede und jeder kann seinen „Kram“ – bei entsprechendem Wert – versteigern lassen. Die Mindestgebote liegen zwischen dem mittleren und unteren Schätzwert der Experten.  Das Dorotheum schlägt nochmal 25% als Provision drauf und dann noch die 20%ige MWSt.

Bei der Auktion heute ging es um Skulpturen und Möbel aus Jugendstil und Art Deco: kleine und mittelgroße Skulpturen aus Glas und Porzellan, Lampen aller Art, Tischgeschirr und -besteck sowie kleine und mittelgroße Möbel. Auch Werke von Künstlerinnen, die wir heute morgen im Jüdischen Museum schon kennengelernt hatten, waren darunter. Alle, die Lust hatten, konnten sich einfach in die Auktion setzen – auch ohne Bieternummer – und nur zuschauen. Der Auktionssaal fasste ca. 150 Personen. Zur Auktion anwesend waren ca. 25 Personen. Das Auktionator-Team bestand nur aus Frauen. Die Auktionatorin hatte keinen Hammer sondern eine wohlklingende Glocke mit Hilfe derer sie den Zuschlag erteilte. Es gab viele TelefonbieterInnen, die live mit den Assistentinnen der Auktionatorin telefonierten und auch oft den Zuschlag erhielten. Es gab auch schriftliche Gebote, die bis 24 Stunden vor der Auktion eingereicht werden konnten. Der günstigste Gegenstand war eine kleine Skulptur für EUR 300,00 Mindestgebot. Das teuerste Objekt war ein Schreibtisch für EUR 10.000,00 der von einem Herrn im Publikum ersteigert wurde. Mehr als die Hälfte der 259 Objekte wurden nicht versteigert, weil niemand das angesetzte Minimum bot. Dazu gehörten leider auch die allermeisten Werke der obengenannten Künstlerinnen. Es erschloss sich uns nicht, warum für einen potthässlichen Porzellanpapagei nach vielem Bieten und Gegenbieten letztendlich EUR 3.000,00 gezahlt wurden – für ein schönes Silbergeschirr oder eine wundervolle Lampe gar nichts. Ein Mann im Publikum ersteiget nach mehrmaliger Erhöhung seines Gebots eine kleine giftgüne Glasvase, die von einer Schlange umschlungen war, für über EUR 2.000,00. Das Ding war an Hässlichkeit nur ganz schwer zu übertreffen. Ja, ich habe heute gelernt, dass auch Kunst aus Jugendstil und Art Deco sehr unansehnlich sein kann. Aber… ist ja alles Geschmacksache, gell….

Nach gut zwei Stunden und 214 der 259 Objekte haben wir dies phantastische Haus dann mit folgendem Vorsatz verlassen: Für die nächste Wienreise werden wir EUR 500,00 extra sparen um vielleicht dann (einmal im Leben) ein schönes Objekt im Dorotheum ersteigern zu können. Welch eine spannende Art an ein Souvenir der besonderen Art zu gelangen..

Nach so viel Kunst sind wir mit dem Bus zum Schwedenplatz am Donaukanal gefahren und haben dort ein ganz hervorragendes Eis und unser erstes echtes Wiener Schnitzel gegessen (ja, in der Reihenfolge).

Wir fühlen uns im südwestlichen Teil des 1. Bezirks (Innenstadt) schon wie zu Hause und kennen uns gut aus (nach1 1/2 Tagen !). Morgen geht es dann in den nordöstlichen Teil, zum“Goldenen Quartier“, dem ursprünglichen Gründerviertel Wiens und zur Kunsthalle. Und endlich auch Hop-on-hop-off-Bus fahren.

Noch ein paar Bilder: